Brunnenprojekt
Noch schleppt der Abbé Charles Voundi jeden Morgen einen 25-Liter-Kanister mit Trinkwasser ins Gymnasium „Jean Charles“ in Kribi. Das Wasser ist für seine Schüler. Im äquatornahen Kamerun klettert die Quecksilbersäule in der Trockenzeit leicht auf über 30 Grad. Der Priester hat die Privatschule 2007 gegründet. Wie viele Schulen ist auch sie aus sägerauhen Holzplanken zusammengezimmert, gestiftet vom damaligen Bürgermeister Gregoire MbaMba. Aber im Unterschied zu den staatlichen Einrichtungen sitzen hier nicht 80 oder 90 Schüler in einem der luftigen Klassenzimmer, sondern 20 oder 30. Auch an einen Brunnen wurde damals gedacht, dieser aber nie fertig gebaut.
Etwa zur selben Zeit, als das Gymnasium entstand, fand in einer kleinen deutschen Kunsthalle, in Wiesenburg bei Belzig eine Ausstellung zum Thema „Wasser“ statt. Acht regionale Künstlerinnen und Künstler hatten sich mit dem Element und seiner Verwendung, seiner Lebenskraft und Vitalität auseinander gesetzt. Jeder von ihnen versteigerte schließlich eines seiner Werke für einen guten Zweck: einen Brunnen in Afrika. Die Auktion fand unter großer Publikumsbeteiligung statt und der Erlös belief sich inklusive zusätzlicher Spenden auf 860 Euro. Die Summe wurde unserem Verein zu treuen Händen übergeben, in der Gewissheit, es würde sich schnell ein geeignetes Projekt finden lassen.
Natürlich beginnt dieser Text nicht ohne Grund mit dem Gymnasium „Jean Charles“ und seinem engagierten Abbé. „Echo Kamerun“ hat sich entschlossen, diese Privatinitiative zu unterstützen. Wir sind überzeugt davon, dass das Geld gut verwendet und der Brunnen anschließend auch gehütet wird.
Der Kostenvoranschlag wies 1800 Euro reine Materialkosten aus. Wir mussten also weitersammeln.
Zwei unserer Vereinsmitglieder, die Fotografin Katharina Kube und die Laborantin Gabriele Langer, stellten 2008 im Belziger Krankenhaus einen Teil ihrer aktuell in Kamerun entstandenen Fotografien aus. Viele Krankenhausmitarbeiter und auch die Krankenhausleitung selbst spendeten insgesamt noch einmal mehrere hundert Euro.
Die ersten 1100 Euro konnten vor Beginn der Sommerferien 2009 nach Kribi überwiesen werden. Hocherfreut und motiviert begann man dort sofort mit den Bauarbeiten. Das Förderloch wurde neu ausgeschachtet, Brunnenringe wurden versenkt. Das erste Foto zeigt bereits einen Wasserspiegel.
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Auch die restlichen 800 Euro wurden Anfang August transferiert. Den Lohn für die Arbeiter und Installateure übernehmen die Kameruner selbst, auch dies war ein wesentlicher Aspekt dieses Projektes. Beide Seiten tragen ihren Anteil. In der Hoffnung, dass der Abbé bald nur noch mit seinen Unterrichtsvorbereitungen zur Schule kommen muss und nicht mehr mit Wasserkanistern.

