Wirtschaft
Kamerun hat die größte Volkswirtschaft in der CEMAC-Zone (Communauté Economique et Monetaire de l‘ Afrique Centrale). Die Rolle der Lokomotive für ganz Zentralafrika erfüllt das Land aber nur bedingt. Kamerun besitzt eine große Bandbreite mineralischer Rohstoffe und landwirtschaftlicher Exportgüter (Kaffee, Kakao, Baumwolle, Palmöl). In den 1970er Jahren wurde Erdöl entdeckt mittlerweile nehmen die Vorräte stark ab und dominierte die Exportstruktur. Wie in den meisten ressourcenreichen Ländern Afrikas wurden andere Produkte bzw. die Entwicklung von Industrie stark vernachlässigt. Seit den 1990er Jahren ist die Holzwirtschaft ein wichtiger Exportsektor. Nach anfänglich unkontrollierter Abholzung erfolgt seit wenigen Jahren nach entsprechender Gesetzgebung eine etwas verantwortungsbewusstere Nutzung. Die nachlassende Erdölproduktion aus den off-shore-Konzessionen führte einerseits zu neuen Explorationen, andererseits zu einer Verschiebung der Hoffnung auf das Geschäft mit dem Erdöl aus dem Tschad. Dieses wird durch die als ökologisch riskant geltende Pipeline von Doba (Tschad) bis nach Kribi an die Atlantikküste verbracht.
Aufgrund des internationalen Wirtschaftsabschwungs Mitte der 1980er Jahre, einer verfehlten Politik und schwerer Korruption (laut Transparency International war Kamerun 1998 und 1999 zweimal das korrupteste Land der Erde) befindet sich das Land seit 1986 in einer Wirtschaftskrise. Zuerst wurde diesen über nationale Sparmaßnahmen, dann über die konservativen Strukturanpassungsmaßnahmen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds bekämpft. Der Kaffee- und Kakaoanbau, meist in Genossenschaften organisiert, litt unter der Auflösung der als ineffizient und korrupt geltenden staatlichen Begleitdienste und Qualitätseinbußen. Privatisierungen der Staatsbetriebe kamen nur schleppend in Gang und wurden nur zum Teil vollzogen. Auch hier war meist eine Leistungsverschlechterung die Folge (Nahverkehr, Stromversorgung). Nach einigen Pleiten konnte der Finanzsektor erfolgreich reformiert werden.
In den 1990er Jahren erfolgten die Abwertung des Franc CFA und Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst. Dies beeinträchtigte den Lebensstandard urbaner Mittelschichten schwer.
Seit 1998 beginnen einige Reformen zu greifen, makroökonomische Kernzahlen verbesserten sich, während sich die Lebensumstände nicht fühlbar verändern.
Kamerun litt unter hoher Verschuldung und hat sich für die Entschuldungsinitiative HIPC (Heavily Indebted Poor Countries) qualifiziert, die 2006 abgeschlossen wurde. Die freiwerdenden Mittel werden jedoch nur schleppend eingesetzt.
Quelle: Hofmeier/Mehler (Hrsg.) Kleines Afrika Lexikon, Bonn 2005