Gesellschaft

Politik

Außenpolitisch zeigt sich Kamerun eher zurückhaltend. Es blieb stets ein treuer Verbündeter für die französische Außenpolitik und neben Gabun deren wichtigster Partner in Zentralafrika. Das umstrittene Grenzgebiet zu Nigeria (z.B. Bakassi-Halbinsel) war oft Schauplatz von Kämpfen, ehe der Internationale Gerichtshof das Gebiet 2002 Kamerun zusprach.

Kamerun wird oft als Standardbeispiel für eine Fassadendemokratie angesehen, die zwar Oppositionsparteien zulässt, aber Wahlen so manipuliert, dass ein demokratischer Machtwechsel an der Urne nicht möglich ist. Die vordergründige Stabilität des Regimes beruht auf Allianzen der RDPC mit regionalistischen Parteien und lokalen Eliten, einer geschickten Teile-und-herrsche-Strategie unter Ethnisierung von Konflikten, Unterstützung von Frankreich und Repression.

Der Herrschaftsstil Biyas kann gut mit Neopatrimonialismus beschrieben werden. Die ständige Umgehung formaler Prozesse und die Enttäuschung über die zerrüttete, uneinige Opposition hat die anfangs aktive Zivilgesellschaft unterminiert, es dominiert der Rückzug ins Privatleben.

Als potentiell gefährlich für den Frieden im Land gilt die Spaltung in anglophone (20 %) und frankophone (80%) Bevölkerung. In den 90er Jahren hat sich die Zustimmung für eine Sezessionsstrategie im englischsprachigen Westen K. stark erhöht, während die Regierung keine erkennbaren Zugestandnisse macht.

Quelle: Hofmeier/Mehler (Hrsg.) Kleines Afrika Lexikon, Bonn 2005