Geschichte

Vorkoloniale Gesellschaften waren kulturell, politisch und ökonomisch sehr heterogen organisiert. Im Norden gab es die muslimischen Fulbe-Emirate, Bamiléké- und andere komplex organisierte Chefferien im Westen, kleinräumige Klan-Gesellschaften (Bulu/Beti) im Waldland. Das Küstenvolk der Douala hatte bereits im 15. Jahrhundert Kontakt zu europäischen Händlern. 1884 übernahm das Deutsche Reich die sogenannte „Schutzherrschaft“, die in einigen Gebieten gegen Widerstand, in anderen kooperativ ausgeübt wurde. Nach dem 1. Weltkrieg fiel der größte, östliche Teil Kameruns an die Völkerbundmacht Frankreich, der Westen an Großbritannien.

Ab Mitte der 50er Jahre tobte ein blutiger Guerillakrieg zwischen der französischen Kolonialmacht und der Union des Populations du Cameroun (UPC). Mit der Unabhängigkeit 1960 gelangte der Paris-freundliche Ahmadou Ahidjo aus Nordkamerun ins Präsidentenamt. Ein Referendum im zweigeteilten britischen Mandatsgebiet führte zum Anschluss des nördlichen Teils an Nigeria, der „Southern Cameroons“ an Kamerun.

1966 verschmolzen alle noch legal existierenden Parteien zur Einheitspartei Union Nationale Camerounaise (UNC), später umbenannt in Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais – RDPC).

1982 gab Ahidjo sein Amt auf, versuchte aber zwei Jahre später vergeblich, seinen Nachfolger Paul Biya aus dem Süden per Putschversuch zu entmachten. Nach untersagten Parteigründungen sowie angesichts der wirtschaftl. Krise und städtischen Aufruhrs musste Biya 1990 zum Parteienpluralismus zurückkehren.

Quelle: Hofmeier/Mehler (Hrsg.) Kleines Afrika Lexikon, Bonn 2005